Wirtschaftszweig der Zukunft: Warum wir die Berliner Gaming-Branche fördern sollten - Bernd Schlömer
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Wirtschaftszweig der Zukunft: Warum wir die Berliner Gaming-Branche fördern sollten

Wirtschaftszweig der Zukunft: Warum wir die Berliner Gaming-Branche fördern sollten

Der Gaming Boom in Deutschland ist ungebrochen. Im letzten Jahr knackte die Szene erstmal die 4 Milliarden Euro Marke. Diese Summe entspricht dem Doppelten dessen, was mit der Vermarktung von Musik verdient wird. Und mehr als dem Dreifachen dessen, was wir Deutsche an den Kinokassen lassen. Und ein Ende ist nicht abzusehen.
Doch so vielversprechend diese Zahlen auf den ersten Blick klingen mögen, so problematisch erscheint der Beitrag deutscher Software-Unternehmen an dieser Entwicklung. Game – der Verband der deutschen Games-Branche – bezifferte den Anteil deutscher Entwickler an diesem Milliardenumsatz mit lediglich 6% bzw. rund 150 Millionen Euro. Das reicht uns bei Weitem nicht.

Die große Koalition geizt durchaus nicht mit großspurigen Versprechungen, die Förderung der Gaming-Szene in Deutschlands auf ein, “international wettbewerbsfähigem Niveau” zu bringen, um den Entwicklerstandort Deutschland zu stärken, so der Koalitionsvertrag. Während jedoch in anderen Ländern dem Austritt der Gaming-Szene aus ihrem ehemaligen Schattendasein mit umfassenden Förderprogrammen finanziell Tribut gezollt wurde, sieht es in Deutschland weiterhin mau aus.
So antwortete die Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage einiger FDP Abgeordneter 2018, dass die sich die angestrebten Förderprogramme Ende 2018 noch immer in der konzeptionellen Phase befanden und “unter dem Vorbehalt der Bereitstellung entsprechender Mittel im Haushalt steht.” Hinzu kommt die wahrscheinlich auslaufenden Förderung durch den Bund. Für uns als Berliner, den innovativsten Softwarestandort im deutschsprachigen Raum, sollte diese Lethargie alarmierend sein.
Also müssen wir die Hausaufgaben der GroKo selber machen und ein eigenes, auf Berlin zugeschnittenes Förder- und Maßnahmenprogramm entwickeln, um sowohl Unternehmensneugründungen und -niederlassungen in Berlin zu fördern als auch bestehende kleine Entwicklerstudios zu unterstützen. Dass sich mit Ubisoft 2018 einer der ganz großen Player in Berlin niedergelassen hat zeigt, dass das Potential der internationalen Szene da ist. Dem müssen wir uns weiter öffnen, vor allem durch den Ausbau einer leistungsfähigen digitalen Infrastruktur.

Die Ansiedlung internationaler Player wurde die letzten Jahre häufig als Bedrohung der hier ansässigen Entwicklerszene angesehen. Heute wissen wir jedoch, dass die Zugkraft großer Softwareunternehmen auch den in Berlin so stark präsenten Indie-Markt stärken würde. Zum einen durch den Zuzug hochqualifizierter Entwicklerinnen und Entwickler aus dem Ausland. Vor allem aber durch den verstärkten Wissensaustausch zwischen kleinen innovativen Entwicklern und großen Playern mit Renommee und entsprechendem Budget.

Als Beispiel kann hier der Saftladen in der Adalbertstrasse gelten, ein Kollektiv kleiner, unabhängiger Games-Studios. Gerade für diese Studios ist es wichtig, sich mit den etablierter Playen zu messen, und über Fördermöglichkeiten und anfängliche Herausforderungen zu sprechen. Nur so können Synergien entstehen und anfängliche Fehler vermieden werden.
Nur durch eine solche Zusammenarbeit sowie durch einen Ausbau der digitalen Infrastruktur kann das Medium Gaming als Ganzes endlich sein Schattendasein beenden. Zudem müssen wir endlich eine ernsthaft geführte Diskussion über die Bedeutung von Serious Games, zum Beispiel im Bildungs- oder Gesundheitswesen, zulassen.

Photo by Matthew Henry from Burst

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